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ADFC-Gruppe Saarbrücken

Dauerbrenner Wilhelm-Heinrich-Brücke

ADFC kritisiert CDU-Stellungnahme gegen Radfahrerstreifen

In die frisch wieder aufgeflammte Diskussion über die Umgestaltung der Wilhelm-Heinrich-Brücke hat sich die Saarbrücker CDU in der "Saarbrücker Zeitung" vom 25./26.11.2017 mit einem energischen Plädoyer gegen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn eingebracht. Der ADFC hält in einer Pressemitteilung dagegen. In dieser kritisiert der ADFC, dass dem rechtspolitischen Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion, Alexander Keßler, mehrere Fehlinterpretationen der geplanten Maßnahmen unterlaufen seien.

Zunächst bedauert ADFC-Sprecher Thomas Fläschner, dass niemand von der Saarbrücker CDU an einem Seminar zur Radverkehrsplanung teilgenommen habe, das letzten Donnerstag in Saarbrücken stattfand. Dort hat der bundesweit renommierte Verkehrsexperte Dankmar Alrutz aus Hannover genau die Führungsvariante vorgestellt, die nun auf der Brücke installiert werden soll – nämlich eine „duale Radverkehrsführung“: Auf der Fahrbahn werden den sicheren Radfahrern eigene Streifen angeboten, die unsicheren und langsameren dürfen den Gehweg mitbenutzen. Es liege also für diesen innerstädtischen Knoten eine genau dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechende Planung vor, so Fläschner. Hintergrund für diese doppelte Führung ist, dass es „DEN Radfahrer“ nicht gibt, dies isi mittlerweile auch Standard sozialwissenschaftlich unterfütterter Erkenntnis in der Verkehrsplanung. Will man wirklich mehr Radverkehr, und dies hat Saarbrücken bitter nötig, muss man auf den wichtigen Achsen auf die verschiedenen Bedürfnisse und Sicherheitsansprüche eingehen. Für die im Verkehrsentwicklungsplan (VEP) angestrebte Steigerung des Radverkehrs von momentan 4 % Anteil auf 10-12 % hat schließlich auch die CDU gestimmt.

Die jetzt schon für Radfahrer freigegebenen Gehwege als Fahrspur für Radfahrer zu bezeichnen, wie dies Keßler getan hat, ist eine absolut realitätsferne Verzerrung. „Auf einem solchen Gehweg muss der Radfahrer mit Schrittgeschwindigkeit rollen, das sind circa sechs Stundenkilometer, damit es nicht zu Konflikten mit den Fußgängern kommt“, erklärt der ADFC-Sprecher und betont: „Schnelle Radfahrer müssen runter von den Gehwegen und rauf auf die Fahrbahn.“ Das ginge aber nur, wenn sie dort auch einen geschützten Raum vorfänden. Von der Stadt in Auftrag gegebene Berechnungen hätten zudem ergeben, dass die Wegnahme einer Autospur die Leistungsfähigkeit der Brücke nicht beeinträchtige. Der den Verkehr begrenzende Faktor liege nämlich nicht auf der Brücke, sondern auf den sich anschließenden Straßen. Es verblieben nach der Umgestaltung pro Fahrtrichtung ein Radfahrstreifen, ein Bürgersteig, der auch mit dem Rad genutzt werden dürfe, und drei (und nicht etwa nur zwei) Fahrspuren für Autos. „Ob man das eine Benachteiligung für den KFZ-Verkehr nennen kann, sollte sich die CDU wirklich einmal ernsthaft überlegen“, regt Fläschner an.