Ortsgruppe Saarbrücken

ADFC kritisiert autolastiges Denken des Saarbrücker Einzelhandelsverbands

  • Drucken

Einmal mehr hat sich der Saarbrücker Vereins für Handel und Gewerbe bzw. sein Vorsitzender Max Schoenberg zur Saarbrücker Verkehrspolitik geäußert. In einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung hat er die Pläne, die Wilhelm-Heinrich-Brücke fahrradfreundlich umzugestalten, als abschreckend für Besucher bezeichnet und suggeriert, dass „große Käufergruppen an Metz und Nancy“ durch solche Maßnahmen verloren gingen.

Diese Äußerungen veranlassten den ADFC zu einer Stellungnahme zum Verhältnis Radverkehr zu MIV (motorisierter Individualverkehr) in Saarbrücken. Der ADFC bemängelt, dass in der Saarbrücker Kaufmannschaft anscheinend immer noch zu sehr ein Schwarz-Weiß-Denken vorherrsche nach dem Motto „Je mehr Auto desto besser für den Handel“.

 

Schon alleine die Tatsache, dass wirtschaftlich in der Oberliga spielende Städte wie Frankfurt oder München einen viel geringeren MIV-Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen („Modal Split“) als Saarbrücken aufweisen, müsse doch eigentlich zu denken geben, dass der Ansatz, alles aufs Auto auszurichten, nicht zielführend ist.

Die in dem Artikel gleichfalls erhobene Forderung nach einer guten Abstimmung der Verkehrsmaßnahmen zwischen Stadt und Kaufmannschaft hingegen sei absolut gerechtfertigt, so der ADFC. Aber mit dem Herbeireden von Untergangsszenarien wie im Zusammenhang mit der unsachlichen Kritik an der Wilhelm-Heinrich-Brücke erweise sich der Handel einen absoluten Bärendienst. „Die Wilhelm-Heinrich-Brücke ist schließlich auch nach der Umgestaltung mit dann ‚nur‘ noch sechs MIV-Spuren immer noch deutlich überdimensioniert“ erklärt dazu Jan Messerschmidt vom ADFC Saarbrücken.

Viel wichtiger sei es, sich gegen die Gefahren des Internethandels zu wappnen, wofür es gerade wichtig sei, die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu erhöhen. Dazu trüge nun mal unwidersprochen die Verlagerung vom Auto- auf den Fahrrad- und Fußverkehr bei.

Saarbrücken mit seinem bundesweit niedrigsten Radverkehrsanteil habe hier ein riesiges Potential und viel Luft nach oben. Mit E-Bike und Pedelec sei mittlerweile zwar das „Problem der Topographie“ (Steigungsstrecken) endgültig vom Tisch, es bleibe aber das subjektive Unsicherheitsgefühl. Dagegen seien insbesondere durchgängige und komfortable Radverbindungen das Mittel der Wahl. Hier stelle die Wilhelm-Heinrich-Brücke bislang leider eine schmerzhafte Lücke dar.

Der Handel hingegen habe anscheinend noch nicht gemerkt, dass auch Radfahrer und Fußgänger gute Kunden sind, die bequem und sicher die Geschäfte erreichen wollen. „Wollt Ihr wenige Kunden – dann richtet alles auf den Autoverkehr aus – oder wollt Ihr viele Kunden, dann fördert den viel wenige Platz benötigenden Rad- und Fußverkehr und den ÖPNV – dann bleibt für diejenigen, die tatsächlich aufs Auto angewiesen sind, auch mehr Raum übrig“, so Messerschmidt abschließend an die Saarbrücker Kaufmannschaft gerichtet.