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Deutscher Fahrradpreis für Projekt des ADFC Saar

660 gespendete Räder, davon 412 an Flüchtlinge übergeben, 50 Helferinnen und Helfer, darunter 10 Flüchtlinge, 25 Schrauber, 10 Helferinnen und Helfer für die Ausgabe, 10 Fahrer für die Abholung der gespendeten Räder, sowie einige Übersetzer, Radfahrerlehrer, Kuchenbäckerinnen und Finanzmanager, geschätzte 2000 Stunden Arbeitszeit  – einige Zahlen aus dem Projekt „Fahrräder für Flüchtlinge“, das Mitte Mai in Potsdam mit dem Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet wurde. Höchste Ehren für das Projekt, das noch nicht zu Ende ist.


Seinen Anfang nahm es im Sommer 2014, als Aktive des Projekts Ankommen der LAG Pro Ehrenamt auf den ADFC zukamen, um anzuregen, Fahrräder für Flüchtlinge zu sammeln, herzurichten und abzugeben. Geplant waren 100 Räder, dann standen nach dem Spendenaufruf im Oktober die Telefone tagelang nicht mehr still, und das Einsammeln begann. Aus dem gesamten Saarland, ja sogar aus der benachbarten Pfalz und aus Lothringen wurden Fahrräder abgeholt – Mountainbikes und Hollandräder, Damen- und Herrenräder, Klapp- und Falträder, Tandems, Roller, Drei-, Lauf-, Kinder- und Jugendräder, wahre Oldtimer und kaum gefahrene Neuwertige. Mit einigen der Oldtimer wäre der Grundstock für ein kleines Fahrradmuseum gelegt.

Die anfallenden Unkosten konnten durch Zuschüsse, private Spenden und einen kleinen Beitrag der Empfänger beglichen werden. An dieser Stelle sei dem saarländischen Sozialministerium, der Sparkasse Saarbrücken, der Totogesellschaft und dem Netzwerk Selbsthilfe Saar für ihre Unterstützung herzlich gedankt. Als Partner ist neben dem Projekt Ankommen auch der Deutsch-Ausländische Jugendclub (DAJC) mit im Boot, der seine Erfahrungen aus einer ähnlichen Aktion einbringen konnte. Die Saarbrücker Immobiliengruppe stellte Räume zur Verfügung, der ADFC musste nur die Stromkosten tragen.

Ende 2014 wurden bereits die ersten Räder ausgegeben. Schnell kristallisierten sich Probleme heraus, mit denen niemand vorher gerechnet hatte. Bei der Planung der benötigten Finanzmittel wurde beispielsweise davon ausgegangen, dass oft marode Reifen würden ausgetauscht werden müssen. Dies war dann relativ selten der Fall. Dafür wird das Nervenkostüm des Werkstatt-Personals oft nachhaltig von der Lausigkeit der in den 1970er und 1980er Jahren verbauten Lichtanlagen strapaziert. Welch ein Segen kam doch mit den Nabendynamos über die Fahrradwelt! Ein anderes Problem stellen Nabenschaltungen dar, wenn Fahrräder zu lange nicht bewegt wurden. Sie verharzen dann. Zum Glück fand sich unter unseren Schraubern ein Nabenspezialist, der daheim am ruhigen Küchentisch so manche Nabe in ihre unzähligen Einzelteile zerlegte, reinigte und anschließend wieder gangbar machte.

Unter den Flüchtlingen sprach sich das Projekt schnell herum. Was die ADFC-Aktiven durchaus vor neue Probleme stellte. Manchmal warteten nämlich samstags bereits eine halbe Stunde vor der Öffnung der Ausgabe 30 Personen vor der Tür. Dies führte ab und an zu etwas chaotischen Verhältnis, die aber mit Nervenstärke, Geduld, organisatorischen Veränderungen und viel Kommunikation bewältigt werden konnten. Zum Glück fanden sich auch schnell mehrere syrische Flüchtlinge, die treu an vielen Samstagen mit ihren mittlerweile recht guten Deutsch-Kenntnissen äußerst hilfreich tätig waren.

Ergänzung wird das „technische“ Fahrrad-Projekt durch verschiedene Kurse finden. Eine Gruppe afghanischer Jugendlicher wird in Kürze an zwei Fahrradkompetenzkursen teilnehmen, damit sie sich auf ihren Fahrrädern in Zukunft sicherer durch das Saarbrücker Verkehrsgewühl bewegen können. Für den Sommer sind außerdem von der ADFC-Radfahrschule ProVelo Kurse für weibliche Flüchtlinge geplant.


Das umfassende Konzept des Projekts „Fahrräder für Flüchtlinge“, das vom ADFC Saar für den Deutschen Fahrradpreis 2015 in der Kategorie Service eingereicht wurde, hat die hochkarätig besetzte Jury überzeugt. Werkstattleiter Peter Klose und Landesvorstandssprecher Thomas Fläschner durften stellvertretend für alle im Projekt Aktiven am 18. Mai zum Nationalen Radverkehrskongress nach Potsdam reisen. Höhepunkt des Kongresses war die Übergabe der Preise. Prämiert werden fahrradfreundliche Maßnahmen in den Bereichen Infrastruktur (hier gewann das bemerkenswerte Projekt Nordbahn aus Wuppertal), Kommunikation (Gewinner war die Stadt Karlsruhe mit „Tu’s aus Liebe“) und Service. Daneben wurde der Tübinger OB Boris Palmer als Fahrradfreundlichste Persönlichkeit ausgezeichnet.

Erst auf der Bühne erfuhren die ADFC-Vertreter, dass ihr Projekt den ersten Preis belegt hatte. Verbunden mit dem Preis ist auch ein ansehnliches Preisgeld in Höhe von 3000 Euro, das natürlich in das Projekt fließen wird.