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Viel Schatten im Saarland, aber auch ein wenig Licht

Saarländische Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 vorgestellt

25 Städte zeichnet Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer heute im Rahmen des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 aus. 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer bundesweit hatten im vergangenen Jahr über die Fahrradfreundlichkeit von 1.024 Städten abgestimmt. Das Saarland verzeichnet mit etwa 1400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und 11 Städten und Gemeinden, die in die Wertung kamen, eine Rekordbeteiligung. Die saarländischen Kommunen schneiden allerdings nach Angaben des ADFC Saar zum Teil sehr schlecht ab, so landet Schiffweiler z.B. in seiner Kategorie auf dem letzten Platz. Jedoch gibt es auch einen Lichtblick: Kirkel belegt unter 418 Kommunen einen beachtlichen 54. Rang.

Foto (ADFC Saar): Selbst am touristischen Highlight der Gemeinde Schiffweiler, der ehemaligen Grube Reden, finden sich keine Fahrradabstellanlgen

  •  Die Zufriedenheit der Radfahrenden bleibt im Saarland fast überall sehr niedrig und liegt deutlich hinter den bundesweiten Durchschnittszahlen. Nur ganz selten gelingt es saarländischen Kommunen, bei einzelnen Fragen besser als der Bundesdurchschnitt zu sein. Ausnahme ist Kirkel.
  • Sehr viele Menschen hier fühlen sich beim Radfahren nicht sicher.
  • Der Fahrradboom schlägt sich in unserem Bundesland bisher noch kaum in verbesserter Infrastruktur nieder.

Der ADFC Saar ruft die Kommunen auf, jetzt zügig das Geld aus dem „Sonderprogramm Stadt und Land“ sowie das vor wenigen Tagen veröffentlichte Förderprogramm des saarländischen Verkehrsministeriums für den Ausbau flächendeckender Radwegenetze zu nutzen. Gemeinden, die noch kein Radverkehrskonzept besäßen oder in Auftrag gegeben hätten, sollten sich ohne Verzögerungen an die Arbeit machen. 

Für ADFC-Landessprecher Thomas Fläschner sind die schlechten Noten für die meisten saarländischen Kommunen die Quittung für eine jahrelang äußerst schleppende Radverkehrsförderung. Die sehr zu lobende gute Beteiligung an Mitmachaktionen wie „Stadtradeln“ dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass in vielen Orten der Infrastrukturausbau sträflich vernachlässigt worden sei. „Gute Wege, auf denen die Menschen sicher, zügig und komfortabel radeln können, sind einfach die Basis“, betont Fläschner.

Die Landesgeschäftsführerin des ADFC Saar, Irene Krohn, ergänzt: „Wir bekommen sehr oft erzählt, dass die Menschen es bei uns als gefährlich empfinden, mit dem Rad zu fahren. Die vielen schmalen, gerade einmal in Mindestbreite angelegten Schutzstreifen werden kaum als Verbesserung empfunden. Die Wegebreite ist durchgängig als sehr schlecht bewertet worden. Die Leute sehen sich nach wie vor nicht als gleichwertige Verkehrsteilnehmer von der Politik wahrgenommen.“

Auch im Saarland boome das Fahrrad und insbesondere E-Bikes. Für den ADFC zeigt dies, dass die Menschen mehr Radfahren wollten. Wenn nun nicht zügig gute und breite Radwege angelegt würden, drohe diese positive Entwicklung zu verpuffen. Enorm wichtig sei, dass flächendeckende Radwegenetze ohne Lücken entstünden. Geld stehe ausreichend zur Verfügung. Die vorhandenen Wege müssten zudem entschiedener von Falschparkern freigehalten werden, dies zeigten die überall sehr schlechten Noten in dieser Frage.

Das Positivbeispiel Kirkel zeige, wie es gehen könne. Dort gebe es einen engagierten Radverkehrsbeauftragten, der die Rückendeckung seines Bürgermeisters besitze, sowie Ortsvorsteher und Kommunalparlamente, die den Radverkehr fördern wollten. Auch würden die Bürgerinnen und Bürger in die Planungen einbezogen. Dass sich Neunkirchen verbessert habe, zeige, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Fahrradklima-Test die Anstrengungen einer Stadt sehr wohl zu würdigen wüssten.

Foto (ADFC Saar): Kirkel: Die Bürger mitnehmen und ein offenes Ohr für die Belange der Radfahrer*innen haben

An Kirkel könnten sich Bexbach und Schiffweiler, aber auch größere Städte wie Völklingen, Saarlouis, Merzig, Homburg und St. Ingbert ein Beispiel nehmen. Noch sei dort viel zu wenig Aktivität zu verzeichnen, selbst kleine Verbesserungsmaßnahmen müssten in zähem Ringen mit der Verwaltung erstritten werden.

Die Landeshauptstadt Saarbrücken ist im Vergleich zum vorhergehenden Fahrradklima-Test (2018) leicht nach hinten gerutscht. Besonders schlechte Noten erhielt sie für die als mangelhaft eingeschätzte Falschparkerkontrolle, die Fahrrad- und Schutzstreifen auf der Fahrbahn und die Ampelschaltungen. Gute Noten gab es für die Fahrradmitnahme im öffentlichen Verkehr und die zahlreichen freigegebenen Einbahnstraßen.

Der ADFC erhofft sich für die Zeit bis zur nächsten Umfrage insbesondere die beherzte und kontinuierliche Umsetzung der neuen durch die Landesregierung geförderten Radverkehrskonzepte. Es dürfe nicht noch einmal wie in den 1990er Jahren geschehen, dass die damals erstellten Konzepte, es waren über 30 an der Zahl, allesamt in den Schubläden der Verwaltungen verschwänden. Dafür will auch der ADFC Saar zusammen mit anderen Verbänden und Initiativen sorgen.

 

Zahlen und Fakten zum ADFC-Fahrradklima-Test

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Rund 230.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben in diesem Durchgang abgestimmt, nur 15 Prozent davon sind ADFC-Mitglieder. 1.024 Städte kamen in die Wertung – mehr als jemals zuvor. Von September bis November 2020 konnten interessierte Bürgerinnen und Bürger auf www.fahrradklima-test.adfc.de an der Umfrage teilnehmen. Bei den Fragen geht es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Radinfrastruktur ist und ob die Stadt in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert. Damit statistisch relevante Ergebnisse erzielt werden können, wurde festgelegt, dass pro Stadt mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 bzw. 100 Abstimmungsergebnisse vorliegen müssen. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern.