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Landesregierung soll Zeichen gegen Raser setzen

Fast 1000 Menschen mussten im Jahr 2019 bundesweit bei Verkehrsunfällen ihr Leben lassen, weil zu schnell gefahren wurde. Deshalb fordern mehrere saarländische Verkehrs- und Umweltgruppen die Landesregierung auf, sich für die Beibehaltung der neuen, strengeren Regeln bei Geschwindigkeitsüberschreitungen einzusetzen. Diese Regelungen, die wegen eines Formfehlers aktuell ausgesetzt ist, sehen die Verhängung von Fahrverboten vor, wenn innerhalb von Ortschaften 21 km/h oder mehr zu schnell gefahren wird. Außerorts liegt die entsprechende Grenze bei 41 Stundenkilometern.

Foto (ADFC Saar): Konsequentes Bremsen des Autoverkehrs tut not.

Die Landesregierung strebe die Verkehrswende und die Förderung des Rad- und Fußverkehrs an. Aus diesen Zielen lasse sich eindeutig ableiten, dass die Verkehrssicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer erhöht werden müsse. Mit einer Aufweichung der erst vor ein paar Monaten beschlossenen strengeren Bestrafung von Rasern drohe, ein fatales Zeichen gesetzt zu werden. Die Landesregierung könne nun zeigen, wie ernst ihr Verkehrswende und Verkehrssicherheit wirklich seien.

Andrea Schrickel, Vorsitzende des saarländischen Landesverbands des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), hält das von einigen Seiten geäußerte Verständnis für Verstöße gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen für absolut unangebracht und fordert: „der Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit muss immer Vorrang haben. Überhöhte Geschwindigkeit ist kein Kavaliersdelikt, sondern leider in Deutschland für ein Drittel der Verkehrstoten und über 50.000 Verletzte verantwortlich.“

Für Thomas Fläschner, Landessprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) liegt einer der Hauptgründe, warum im Saarland relativ wenig Rad gefahren wird, in der Angst vieler potenzieller Radfahrer vor dem Autoverkehr. „Vor allem innerorts muss Rasern ein ganz klares Signal gesetzt werden. Das wäre sogar eine mindestens so sinnvolle Radverkehrsförderung wie mancher neue Radweg“, so Fläschner.

Erhard Pitzius von der Plattform Mobilität stellt fest, dass der Auto- und LKW-Verkehr zunimmt. Es würde oft zu schnell gefahren, auch auf schmalen Landstraßen. Hinzu komme das Lärmproblem. Er führt dazu aus: „Gerade innerhalb von Wohngebieten ist Lärmschutz durch verkehrsberuhigte Zonen und Spielstraßen gelebter Schutz der Gesundheit der Menschen. Aber auch Lärmüberschreitungen durch getunte PKW und Krafträder müssen geahndet werden. Mobilität muss vom Menschen her gedacht werden und nicht vom Auto.“

Der BUND Saarbrücken fordert, dass die einmal getroffene Bußgeld-Regelung in einem neuen fehlerfreien Verfahren auch für die Zukunft gelten muss. "Nur, weil sich die Bußgelder mit der Einführung der neuen Regeln gehäuft haben, kann das kein Grund sein, in einem neuen Verfahren wieder zur alten laschen Praxis zurückzukehren. Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Paradies für Falschparker und Temposünder. Beide Gruppen sind für zahlreiche schwere Unfälle insbesondere mit Fußgängern und anderen schwächeren Verkehrsteilnehmern verantwortlich", so Ronald Maltha, Sprecher des BUND Saarbrücken.

Volker Wieland, vom Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. mahnt an: „Zaudern bei der Mobilitätswende? Weiter wie bisher? Für welchen Preis? Sieht so konsequentes Vorgehen bei Regelverletzungen aus? Mehr Lebensqualität - Gesundheit - Straßenraum - für alle. Wieviel ist das wert? Tempo raus beim motorisierten Verkehr heißt Wohlergehen für alle Menschen. Mobilität für alle. Mit Herz und Verstand, vor allem im Sinne der Schwachen, Kleinen, Alten handeln und die zerstörerische Macht des Stärkeren ausbremsen. Jetzt Verkehr auf die Füße stellen.“

Über die momentane Diskussion der Fahrverbote hinaus, wünschen sich die Organisationen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf grundsätzlich 30 Stundenkilometer innerhalb von Ortschaften. Außerdem bedürfe es einer verstärkten Überwachung der Geschwindigkeiten. Begleitet werden müssten Geschwindigkeitsbeschränkungen durch bauliche Maßnahmen insbesondere in Wohngebieten. Das Problembewusstsein bei den Verkehrsteilnehmern sollte duch mehr Öffentlichkeitsarbeit geschärft werden. Schließlich sei ein energisches Vorgehen von Ordnungsämtern und Polizei gegen das Falschparken auf Geh- und Radwegen sowie an Bushaltestellen erforderlich. Die Organisationen hoffen, dass die Landesregierung in diesen wichtigen Punkten mit genauso viel Engagement vorangehe, wie sie es bei der Rücknahme der Fahrverbote an den Tag gelegt habe.