Nav Ansichtssuche

Navigation

Das Glas ist für die Radfahrer nur halb voll - Jahresbilanz des ADFC Saar für 2019

Radfahrer haben es nicht ganz leicht im Saarland. Das weiß jeder, der hierzulande seine alltäglichen Wege mit dem Fahrrad zurücklegt. Und deshalb wird nirgendwo in Deutschland so wenig Rad gefahren wie im Saarland. Noch ist das so, aber es ist erklärtes Ziel der Landesregierung, die rote Laterne im Vergleich der Bundesländer abzugeben. Der ADFC hat in seiner Jahresbilanz für 2019 versucht, ein differenziertes Urteil zu fällen, ob man diesem Ziel ein Stück nähergekommen ist. Ergebnis: das Glas ist halb voll, nicht halb leer.

Auf der Habenseite verbucht der ADFC, dass Verkehrsministerin Anke Rehlinger mit der Radstrategie erstmals ein durchdachtes Konzept erstellt und dieses auch finanziell und personell unterfüttert hat. „Mittlerweile lassen einige saarländische Kommunen wie zum Beispiel Neunkirchen und St. Ingbert mit großzügiger Unterstützung des Landes neue Radverkehrskonzepte erstellen. Das stimmt hoffnungsfroh“, freut sich ADFC-Landessprecher Thomas Fläschner. Er weiß aber auch, dass Konzepte, so gut und ambitioniert sie auch sein mögen, schnell in Verwaltungsschubladen verschwinden können. „Diese Situation hatten wir Mitte der 1990er Jahre. Damals wurden über 30 Radverkehrskonzepte erstellt, umgesetzt wurde – von Ausnahmen abgesehen – fast nichts“, warnt Fläschner.

Momentan sieht der ADFC Saar gute Chancen. Von Seiten des Bundes und des Landes steht auch finanziell klammen Städten und Gemeinden viel Geld zur Verfügung. Problematisch ist, dass auf kommunaler Ebene oft nicht genug und auch nicht ausreichend ausgebildetes Personal zur Verfügung steht, um diese Mittel gezielt abzurufen.

Der ADFC Saar wünscht sich für das neue Jahr, dass in vielen saarländischen Kommunen die Bürgerinnen und Bürger in die Radverkehrsplanung eingebunden werden. Fläschner verweist auf Saarbrücken, Homburg und Merzig, wo sich die Verwaltung regelmäßig mit dem ADFC und anderen Gruppen trifft und Mängel, aber auch neue Ideen und Vorhaben diskutiert werden. Außerdem müsse es endlich überall zum Regelfall werden, dass bei der Sanierung von Straßendecken immer überlegt werde, was für den Radverkehr verbessert werden könnte. Notfalls auch zu Lasten des Autoverkehrs. Ein sehr großes Problem sei nach wie vor das Falschparken auf Geh- und Radwegen. „Das ist ein absolut asoziales Verhalten, gegen das die Verwaltungen und die Polizei dringend schärfer vorgehen müssen“, kritisiert Landessprecher Fläschner.