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Große Unzufriedenheit der Radfahrerinnen und Radfahrern im Saarland

Im Saarland liegt der Radverkehrsanteil am Verkehr seit langem bei zwei Prozent. Nirgends in Deutschland wird so wenig Rad gefahren wie an der Saar. Um herauszufinden, wie die Radfahrer selbst die Situation empfinden, führt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums in zweijährigem Turnus eine Umfrage, den Fahrrad-Klimatest, durch. Zum letzten Mal in 2018. Die wenig erfreulichen, aber auch wenig überraschenden Ergebnisse für das Saarland stellte der ADFC Saar nun vor.

Die Teilnehmerzahl konnte im Saarland auf 1017 gesteigert werden. In die Wertung kamen im Saarland sechs Städte und eine Gemeinde. Gut schneidet keine ab, alle sogar etwas schlechter als in den Vorjahren. Zwar belegt Saarbrücken in seiner Kategorie Platz 23 von 41, dies aber mit einer Gesamtnote von 4,14. So gut bzw. schlecht hatte die Landeshauptstadt bereits 2016 abgeschnitten. Die saarländischen Mittelstädte landen fast allesamt sehr weit hinten in der Tabelle, die bundesweit 311 Mittelstädte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner umfasst: Neunkirchen wird mit einer Gesamtnote von 4,39 nur 289er, St. Ingbert mit einer 4,40 sogar nur 292er, Saarlouis kommt knapp dahinter mit einer 4,44 auf Platz 294 und Homburg übernimmt als 305er mit einer 4,60 fast die rote Laterne. Am besten kommt im Urteil der Radfahrenden noch Völklingen weg, das als 237er im Mittelfeld. In der Kategorie der Kommunen unter 20.000 Einwohner kommt Überherrn mit der Note 419 auf den 155. Platz von 186.

Joachim Hase und Thomas Abel, Landesvorstandsmitglieder des ADFC Saar, führen das relativ schlechte Abschneiden des Saarlandes darauf zurück, dass sich die zahlreichen politischen Willensbekundungen der letzten Zeit, mehr in den Radverkehr zu investieren, auf den Straßen noch nicht wiederspiegelten. Es reiche nicht, kleine Einzelmaßnahmen durchzuführen, aber die Gefahrenstellen nicht anzugehen.

Dass Völklingen in der Tabelle – 2016 belegte die Stadt noch einen unrühmlichen vorletzten Platz – einen großen Sprung nach vorne gemacht hat, führen die ADFC-Aktiven auf verschiedene Maßnahmen der Stadtverwaltung und die Verabschiedung eines neuen Verkehrsentwicklungsplans zurück. Die würde offensichtlich von den Radfahrern gewürdigt. Außerdem seien anscheinend die Radfahrer in anderen deutschen Städten dieser Größenordnung noch unzufriedener.

Generell schlecht schneiden saarländische Kommunen beim Fahrrad- und Verkehrsklima ab, was aber für den ADFC kein Wunder sei angesichts der Dominanz des Kfz-Verkehrs und des niedrigen Radverkehrsanteils. Radfahren wird deshalb im Saarland leider auch als stressiger und als weniger akzeptiert als sonst in Deutschland empfunden.

Relativ schlecht weg kommen die saarländischen Kommunen bei der Kontrolle zugeparkter Radwege. Hier gibt es durchweg eine Fünf minus. Sehr schlechte Noten erhält der Umgang mit Baustellen. Für den ADFC ein Zeichen für mangelnden Willen oder fehlendes Bewusstsein der Verwaltungen, und beides hat schließlich nichts mit fehlendem Geld zu tun.

Kein großes Thema stellt im Saarland der Fahrraddiebstahl dar. Auch die Möglichkeiten der Fahrradmitnahme im ÖPNV werden traditionell im Saarland als relativ gut eingeschätzt.

Dass die Radfahrer, die an der Umfrage teilgenommen haben, durchaus sehr differenziert geurteilt haben, ist an der Frage zur Öffnung der Einbahnstraßen erkennbar. Hier hat Saarbrücken, wo sehr viele Einbahnstraßen schon seit 1991 in Gegenrichtung freigegeben sind, eine sehr gute 2,1 erhalten, andere Städte aus der Region wie Homburg nur eine Fünf. Der ADFC kritisiert, dass leider im Saarland noch nicht überall angekommen sei, dass Einbahnstraßen mehr oder weniger automatisch freizugeben seien und die Nicht-Öffnung begründet werden muss. Auch das sei keine teure Angelegenheit.

Joachim Hase sieht in der Schaffung eines lückenlosen Radwegenetzes eine der wichtigsten Forderungen. Die Infrastruktur sei die Basis, die stimmen müsse. Die neuen Förderprogramme des saarländischen Verkehrsministeriums und des Bundesumweltministeriums sollten intensiv von den Kommunen genutzt werden. Für Thomas Abel ist die noch unterentwickelte Fahrradkultur ein entscheidender Ansatzpunkt im Saarland. Radverkehr werde noch nicht als Verkehr begriffen. Es bleibt also viel zu tun.