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Keine saarländische Stadt mit guten Noten beim Fahrradklimatest

ADFC: Viel Potenzial, aber auch großer Handlungsbedarf

Beim heute in Berlin vorgestellten Fahrradklima-Test des ADFC landeten die saarländischen Städte bestenfalls im hinteren Mittelfeld, Völklingen wurde unter den fahrradfreundlichsten Städten seiner Größe sogar nur vorletzter. Über 850 saarländische Radfahrerinnen und Radfahrer hatten an der bundesweiten Befragung teilgenommen – deutlich mehr als jemals zuvor. Bemängelt haben die Radfahrerinnen und Radfahrer im Lande vor allem, dass der Stellenwert des Radverkehrs im Saarland gering sei, sehr häufig auf Rad­wegen falsch geparkt werde und die Ampelschaltungen sehr fahrrad­­unfreundlich seien. Auch haben viele Menschen Angst beim Radfahren. Lichtblicke gab es bei den Mitnahmemöglichen für Fahrräder im ÖPNV, der touristischen Wegweisung und den freigegebenen Einbahnstraßen in Saarbrücken.

 

Die ADFC-Landesvorstandssprecher Thomas Fläschner und Dieter Grünewald sagen: „Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für moderne Städte – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Saarländerinnen und Saar­länder auf dem Rad unwohl fühlen. Der Fahrradklima-Test zeigt aber auch, dass Maßnahmen der Radverkehrsförderung wie die Öffnung der Einbahn­stras­sen in Saarbrücken honoriert werden. Schon mit vergleichsweise kleinen Maß­nahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch ge­zielte Radwegparker-Kontrollen, durch weitere für Radfahrer geöffnete Einbahn­straßen, oder mit radfahrer­freund­lichen Lösungen an Baustellen. Wenn das Saarland will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen, dann muss jetzt gehandelt werden. Städte wie Saarlouis, Hom­burg und Merzig haben großes Potential, aber es besteht auch Handlungsbedarf.“

Für den ADFC Saar fordern die beiden Sprecher, dass die Verkehrsplaner das offensichtliche Bedürfnis der Radfahrer nach sicherer Infrastruktur ernst nehmen. Im neuen Koalitionsvertrag gebe es dazu Ansätze. Wichtig sei es, die Zukunft der AG Alltagsradverkehr zu sichern und diese Kommuni­ka­tions­plattform zwischen Land und Kommunen weiter auszubauen. Der Prüfauftrag für Radschnellwege müsse ernst genommen werden.

Saarbrücken liegt bundesweit auf Platz 29 (von 38) in der Kategorie der Städte zwi­schen 100.000 und 200.000 Einwohnern. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2014 hat sich Saarbrücken damit weder verbessert noch verschlechtert (2014: Platz 27 von 37).

Den besten Platz erreicht Neunkirchen (230 von 364), die anderen saarländischen Städte rangieren weit hinten. So belegt St. Ingbert in derselben Gruppe Rang 313, Homburg Rang 332, Saarlouis Rang 340, Merzig Rang 350, und Völklingen wird mit dem 363. Platz sogar nur vorletzter. Im Durchschnitt geben die Saarländer ein schlechtes „ausreichend“ für die Fahrradfreundlich-keit ihrer Städte. „Zu deren Ehrenrettung“ betonen die ADFC-Sprecher, dass auch die bundesweit besten Städte nicht über ein „befriedigend“ hinauskämen. Der ADFC will in den kommenden Wochen die Einzelergebnisse den Lokalpolitikern, Verwaltungen und Bürgern vorstellen und mit ihnen über Verbesserungsmöglichkeiten diskutieren.

Über 120.000 Teilnehmer bundesweit

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 150.000 Euro gefördert. Über 120.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2014. Im Saarland kamen erstmals sieben Städte in die Wertung, was mehr als eine Verdoppelung darstellt. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück.

Die detaillierten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016 und bundesweite Trends finden Sie auf www.fahrradklima-test.de.